Ein Projekt des Kollegiums
für Hausarztmedizin (KHM)

Wie funktioniert Gesundheitscoaching grundsätzlich?

Es verteilt die Rollen neu

Das Gesundheitscoaching verteilt die Rollen zwischen Arzt und Patient neu:
• gibt dem individuellen Patienten die Hauptrolle
• es macht den Arzt zu dessen Coach

Der Patient bekommt die Hauptrolle. Der Patient entwickelt aktiv sein eigenes Gesundheitsprojekt und setzt es eigenständig um, wobei er sich die individuell nötige Unterstützung in Zusammenarbeit mit dem Arzt holt, statt in der passiven Rolle des zu Behandelnden zu verbleiben.

Das Gesundheitscoaching macht gleichzeitig den Arzt zum Coach des Patienten. Der Arzt fördert und mobilisiert beim Patienten dessen Gesundheitskompetenzen, Ressourcen und Eigenverantwortung, statt direktiv-paternalistisch Ratschläge und Rezepte zu geben. Arzt und Patient arbeiten zusammen im Team und nutzen die externen Angebote und Ressourcen in der Gemeinde.

Es folgt dem individuellen und zyklischen Prozess der Verhaltensänderung

Das Gesundheitscoaching geht von der Tatsache aus, dass die Patienten mit individuell sehr verschiedenen Gesundheitseinstellungen und Gesundheitsverhaltensmustern kommen.

Der Beratungsablauf in der Praxis baut auf der zyklischen Natur des Veränderungsprozesses von Gesundheitseinstellung und Gesundheitsverhalten auf. Der Beratungsablauf mit den vier Schritten «Ansprechen, Analysieren, Abmachen, Ausführen» erlaubt dem Arzt in der Praxis ein individualisiertes, stufenweises Vorgehen, indem je nach Veränderungsbedarf und Bereitschaft des Patienten diese Schritte unterschiedlich weit und unterschiedlich rasch angegangen werden.

Dieses Vorgehen ist eine Operationalisierung des Transtheoretischen Modells (TTM) für die ärztliche Beratung bei der Änderung von Gesundheitsverhaltensweisen. Jede Phase des Gesundheitscoaching befasst sich mit einem Lernschritt des Patienten (siehe Abbildung):

• Phase 1 - Ansprechen: hilft beim Schritt von Precontemplation zu Contemplation
• Phase 2 - Analysieren: hilft beim Schritt von Contemplation zur Preparation
• Phase 3 - Abmachen: hilft beim Schritt von Preparation zur Action
• Phase 4 - Ausführen: hilft beim Schritt von Action zur Maintenance

4-Phasen Plan

Learning by doing - das Gesundheitscoaching kennt keine Versager

Das Gesundheitscoaching führt das Team Patient/Arzt Schritt für Schritt, in simplen Algorithmen vom Allgemeinen zum Speziellen: zuerst Sensibilisierung / Motivation, dann Auswahl von und Einigung auf ein ändernswertes Zielverhalten (Triage) und schliesslich Planung und Umsetzung eines persönlichen Gesundheitsprojekts.

Dieses schrittweise Vorgehen fördert Erfolgs- und reduziert Misserfolgserlebnisse und erleichtert damit ein späteres Re-Cycling zurück in den Beratungsprozess (siehe Abbildung).

Dadurch gibt es keine Versager und keine Drop-Outs - jeder Schritt ist wichtig für eine Phase der Veränderung! Es ist ganz normal und sogar die Regel, dass gewisse Schritte mehrmals, im Sinne des Learning on the job, gemacht werden.

Wie funktioniert Gesundheitscoaching praktisch?