Gesundheitscoaching: Ein Projekt von Hausärzten für Hausärzte (Projektbeschreibung)
Gesundheitscoaching ist ein Programm des Kollegiums für Hausarztmedizin zur Prävention und Gesundheitsförderung in der Arztpraxis; Projektpartner im Pilotprojekt 2008-2011 ist die Ärztegesellschaft des Kantons St.Gallen.
Die Entwicklung wurde finanziell unterstützt durch Gesundheitsförderung Schweiz; die Erprobung und Optimierung durch ein grossangelegtes Pilotprojekt wird ermöglicht durch die Unterstützung folgender Geber:
Gesundheitsförderung Schweiz - Eidgenössischer Tabakpräventionsfonds - Bundesamt für Gesundheit - Gesundheitsdirektorenkonferenz - Oncosuisse - Stiftung HelvetiaSana - Frei von Tabak - Schweizerische Herzstiftung - Pfizer AG - Novartis Schweiz - MSD Schweiz AG - Sanofi - Aventis SA
Inhalt und Ziel des Projekts Gesundheitscoaching
Das Projekt Gesundheitscoaching integriert die Beratung für die gesundheitlich wichtigsten Verhaltensweisen* in ein Rahmenprogramm für die Prävention und Gesundheitsförderung in der ärztlichen Praxis.
Es schafft damit für die Bevölkerung breiten Zugang zu individualisierten Massnahmen für die persönliche Gesundheitsförderung.
* entsprechend den Folgen auf die Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung ('Burden of Disease') fokussiert das Gesundheitscoaching in der Erprobungsphase auf Alkohol, Rauchen, Bewegungsmangel, Übergewicht, Ernährung und Stress; dieses Spektrum ist modular erweiterbar.
Motivation und Handlungsbedarf für das Gesundheitscoaching
Gesundheit und damit auch die 'Burden of disease' in der Bevölkerung sind zu einem erheblichen Teil verhaltensdeterminiert. Bevölkerungsweite und individuelle Massnahmen sind deshalb gefragt.
Bei der Anwendung dieses Gesundheitscoachings durch den Hausarzt, die Hausärztin kommen die folgenden, spezifisch hausärztlichen Stärken zum Tragen:
• Relativ häufige und oftmals auch wiederholte Kontakte in einem relevanten Zeitraum
• übliche Konsultationsgründe als niedrigschwellige Gesprächsgelegenheiten
• Krankheitsbefunde und -Symptome als 'windows of opportunity' für Gesundheitscoaching
• Langjährige Kenntnis des Patienten und seines Umfeldes
• Etablierte Vertrauensbasis
• Medizinische, psychische und sozio-kulturelle Aspekte des Krankseins
• Beachtung der Patientenvorstellung zu Krankheit und Gesundheit
Diese für den Hausarzt typischen Faktoren bewirken in ihrer Kombination einen hohen Public Health Impact hausärztlicher Massnahmen. Dieses Potential kann und muss aber noch systematischer und besser ausgeschöpft werden.
Wie wirkt das Gesundheitscoaching?
Das Projekt Gesundheitscoaching erleichtert Prävention und Gesundheitsförderung in der Sprechstunde, indem es zwei oft vernachlässigte Herausforderungen einer gleichzeitigen und wirksamen Intervention zugänglich macht:
• einerseits den nachhaltigen Einbezug der Patienten mit ihren individuellen Motivationen und Einstellungen zwecks Mobilisierung der individuellen Gesundheitskompetenz und Ressourcen - Gesundheitscoaching erfasst die subjektiven Bedürfnisse
• andrerseits das Vorgehen bei den von Mensch zu Mensch variablen Risikokonstellationen ('Bedarf') und bei meist mehreren koexistierenden Risikoverhaltensweisen - Gesundheitscoaching erfasst den objektiven Bedarf.
Gesundheitscoaching offeriert ein Beratungsvorgehen, das gleichzeitig auf die sogenannt subjektiven 'Bedürfnisse' und den sogenannt objektiven 'Bedarf' eingeht.
Die innovativen Charakteristika des Projekts Gesundheitscoaching
Das Projekt behebt drei der wichtigsten Mängel in der sprechstundenbasierten Prävention und Gesundheitsförderung durch innovative Kombination der folgenden drei Dimensionen:
A - Patientenorientierung:
Das Gesundheitscoaching holt den einzelnen Patienten bei dessen individueller Verhaltenskonstellation ab. Es erarbeitet mit ihm zuerst dessen Prioritäten und Motivationen und ermöglicht so eine nachhaltige Mobilisierung der individuellen Gesundheitskompetenz und Ressourcen.
B - Strategisch-inhaltliche Koordination:
Das Gesundheitscoaching integriert die bisher existierenden zahlreichen, auf ein bis maximal zwei Gesundheitsverhaltensweisen fokussierten Interventionsangebote in einen einheitlichen, faktorenübergreifenden, d.h. polyvalent anwendbaren Approach.
C - Methoden-Integration:
Das Gesundheitscoaching bietet zu diesem Zweck dem Arzt einfach anwendbare Algorithmen für die Sprechstunde an, mit deren Hilfe er die Patienten auf ihr Gesundheitsverhalten anspricht, sensibilisiert und motiviert, damit diese ihre eigenen Ziele und Massnahmen entwickeln und umsetzen können, begleitet von ihrem Arzt (als Coach). Das Gesundheitscoaching operationalisiert in dieser Form erstmals moderne Gesundheitsförderungs- und Beratungskonzepte (u.a. Gesundheitskompetenz, Empowerment, Shared Decision Making, Motivational Interviewing).